LAWINE – eine Übung unter strengen Covid-Auflagen!

Laut den Vorgaben der Landesleitung und dem Land Tirol, können Übungen in den Ortsstellen durchgeführt werden, wenn diese systemrelevant sind und die Corona-Regeln eingehalten werden können, sprich Hygienemaßnahmen, 2 Meter Abstand und wenn dieser nicht eingehalten werden kann, muss eine Mund-Nasen-Schutz-Maske getragen werden. 

Als zusätzliche Schutzmaßnahme hat sich die Ortsstelle Axams mit einem Mehrheitsbeschluss für eine Testung mittels Antigentest ausgesprochen, dieser wurde vor dem Übungsbeginn in der Ortsstelle von unserem MEDIC-TEAM durchgeführt, alle Testpersonen waren NEGATIV und so stand einem erfolgreichen Übungstag nichts mehr im Weg. Nach einer kurzen Vorbesprechung vor der Gemeinde Axams, wo der Übungstag im Detail besprochen wurde, ging es mit 23 Bergrettern/innen und einem Lawinenhund, namens Phil in die Axamer Lizum. 

Hier im Nahbereich des Gasthof Adelshof wurde im Stationsbetrieb der 1. Teil des Tages bestritten. 

  1. Station, LVS- Training (Lawinen- Verschütteten-Suchgerät): Hier haben die Teilnehmer noch einmal die Möglichkeit gehabt ihre Geräte und ihr Verhalten bei einem Lawinenunfall intensiv zu trainieren. 1. Signalsuche, 2. Grobsuche, 3. Feinsuche und 4. die Punktsuche, auch das Ausgraben der verletzten Personen wurde besprochen, denn hier gilt desto großräumiger der Schnee abtransportiert werden kann, umso schonender und sicherer ist es für den Patienten.
  2. Station, MEDIC- Auffrischung: Hier wird besonderes Augenmerk auf die Versorgung eines Patienten nach einem Lawinenunfall gelegt, wichtige Informationen weitergeben Atemhöhle vorhanden, ja oder nein (kein Schnee in Mund und Nase), behutsame Bergung (Bergungstot, wenn kaltes Blut aus Beinen und Händen in den Körperkern zurück fließt), mögliche Reanimation nach Herz- Kreislauf- Stillstand (hier wurde ein Übungsdefi/AED angeschlossen), Versorgung von Wunden, anschließend wurde noch das Thema Wärme-Management besprochen und unser Biwaksack für bis zu 10 Personen aufgebaut. Jetzt fehlt nur noch der mögliche Abtransport der Patienten, hier haben wir unsere altbewährte UT- 2000. Diese kann aus 2 Teilen bestehend transportiert werden und hat ein relativ leichtes Transportgewicht, ideal für den Einsatz im Gelände.

In der Zwischenzeit haben sich 3 Bergretter des AUSBILDUNGS- TEAMS auf den Weg in die Axamer Lizum gemacht, um mit dem 2. Teil des Tages, der Vorbereitung für die Einsatz- Übung zu beginnen. Hier möchten wir uns ganz herzlich bei der Axamer Lizum AG bedanken, diese haben uns unser benötigtes Material (unseren Dummy, Schaufeln und diverse andere Utensilien) zur vermeintlichen Lawine mittels Skidoo gebracht.

Einsatzort für die Mannschaft war der unmittelbare Bereich beim Pleisenlift unter dem Ziehweg zur Herrenabfahrt. Hier haben die Mannen des Ausbildungsteams ein sehr realistisches Lawinenscenario in den Hang hineingearbeitet. Einsatzannahme 5 komplett verschüttete Personen (für eine Person wurde sogar eine Höhle gegraben für unseren Lawinenhund).

Der Stationsbetrieb endete um ca. 11:15 Uhr. Nach einer kleinen selbst mitgebrachten Jause ging die Einsatzmeldung um 11:30 Uhr beim Einsatzleiter ein. Meldung „eine Person wurde Zeuge eines Lawinenabgangs im Bereich Pleisenlift mit 5 verschütteten Personen.“ Annahme war schlechte Sicht am Einsatzort, also kein Flugwetter für die Helis und wie jetzt auch real, kein Liftbetrieb. Heißt also auch dass wir keine Unterstützung durch die sonst immer hilfreiche Axamer Lizum AG bekommen.

Also das Szenario mit 5 verschütteten Personen ist zwar möglich, aber kann natürlich nicht nur von einer Ortsstelle bewältigt werden. Hier fehlt es dann schon an allen Ecken und Enden, es müssen genügend Bergretter/innen zur Verfügung stehen (die auch schnell verfügbar sind, wir sind alle nur Freiwillige und müssen einer Arbeit nachgehen), die verletzten Personen müssen verarztet und natürlich noch abtransportiert werden. Bei einem realen Einsatz in dieser Dimension würden sofort die Nachbarortsstellen mitalarmiert, bzw. Bezirksalarm ausgerufen.

Die Mannschaft machte sich unverzüglich auf den Weg in die Axamer Lizum. Am Parkplatz angekommen, wurden vom Einsatzleiter Forster Clemens sofort die Vorausmannschaft und die Bereichsleiter für Transport, MEDIC und Sondierkette benannt. Die Vorausmannschaft machte sich sofort auf den Weg, die Bereichsleiter stellen die benötigten Ausrüstungen zusammen und der Transportoffizier verteilte die Ausrüstung unter der Mannschaft, was sich als nicht ganz einfach herausstellte, da wir zwar 20 Bergretter/innen waren, aber auch viel Material transportiert werden musste.


Protokoll zum Einsatz Lawine Bereich Pleisenlift:

  • 11:30, Einsatzeingang
  • 11:45, Eintreffen der Einsatzmannschaft in der Axamer Lizum Parkplatz
  • 11:50, Vorausmannschaft macht sich auf den Weg
  • 12:21, Vorausmannschaft beginnt mit LVS- Suche auf der Lawine
  • 12:27, 1. Fund durch Oberflächensuche, hier wurde eine Person gefunden da Teile der Ausrüstung aus der Lawine geschaut haben und in weiterer Folge die Person befreit werden konnte (hier wurde eine Decke verwendet)
  • 12:30, 2. Fund, dieser wurde mittels LVS- Gerät geortet und durch das wichtige und richtige Sondieren konnte eine Punktortung erzielt werden, die Person konnte befreit werden (hier wurde eine Decke verwendet)
  • 12:30, Lawinenhund Phil mit dem Hundeführer Martin Flossmann betreten die Lawine
  • 12:33, 3. Fund durch Lawinenhund Phil, Person wurde befreit (das war unser Florian Priessenegger), durch seinen Spieltrieb, hartes und zeitintensives Training sind solche Leistungen erst möglich
  • Zeitgleich 4. Fund, wieder ein Treffer mittels LVS- Gerät, hier sah man, dass sich das Training am Vormittag bezahlt machte, Person wurde befreit (hier wurde eine Decke verwendet)
  • Nach und nach kommen immer mehr Bergretter/innen auf die Lawine und werden vom Einsatzleiter und den Bereichsleitern eingeteilt. Wichtige Tätigkeiten wurden durchgeführt, der Lawinenrand wurde markiert (gelbe Fahnen), die Einfahrtsspuren und gefundene Gegenstände wurden markiert (blaue Fahnen), es wurde der Sammelplatz und der Heli- Port zugewiesen.
  • 12:44, nachdem es keine Lokalisierungen durch LVS- Geräte mehr gegeben hat, wurde vom Einsatzleiter, der Aufbau der Rasterfahndung im Schnee angewiesen, hier wurde vom Sondierkettenführer der Aufbau organisiert und geleitet, mittels Sondierkette kann der abgesuchte Bereich genau definiert werden. Hier wird ein Raster von 10m x 20m aufgebaut, der Bereich mittels roter Fahnen abgesteckt, so kann es hier zu keinen, unabsichtlichen mehrfach Durchsuchungen kommen.
  • 12:42, unser Ortsstellenleiter Heinz Gatscher wurde vom Einsatzleiter gebeten, die Suche neben der Rasterfahndung mittels RECCO zu übernehmen. Der RECCO Detektor sendet ein Radarsignal aus. Wenn das Signal auf den Reflektor trifft, wird es zurück zum Detektor reflektiert, es wird aber kein Strom benötigt. Solche RECCO- Plättchen sind in vielen Gebrauchsgegenstände wie Helme, Kleidungsstücke und Skischuhen eingearbeitet.
  • 12:47, 5. Fund, nun wurde der Dummy mittels RECCO- Systems gefunden, hier hatte der Helm einen Reflektor eingearbeitet. Dieser ´´Patient´´ hatte eine Atemhöhle aber er erlitt einen Herz- Kreislauf- Stillstand. Nachdem der Kopf freigelegt werden konnte, wurde von unserm MEDIC- Leiter, 5 initiale Beatmungen gesetzt und als diese auch keine eigene Atmung anregen konnten, wurde der Patient weiter großräumig ausgegraben um mit der Reanimation beginnen zu können. Hier wurde auch unser Übungsdefi in Einsatz gebracht.
  • 13:05, im Zusammenspiel aller MEDICS, konnten alle Wunden verarztet und der Patient wiederbelebt werden.
  • 13:15, Beginn des Abtransportes unseres verletzten Dummys
  • 13:15, der Abschluss des Einsatzes beinhaltet das Absuchen der Lawine mittels Lawinenhund (dieser kann nach dem Sondieren, durch die Löcher die hier entstanden sind noch mögliche Düfte aufnehmen) und einem LVS- Gerät, um sicher zu gehen nichts übersehen zu haben.
  • 13:21, ENDE der Einsatzübung

Bei einer Nachbesprechung wurden anschließend alle Themen angesprochen, die gut oder nicht so gut gelaufen sind. Aber mal ehrlich: einen Einsatz mit 5 verschütteten Personen in 1,5h abzuarbeiten, mit Aufstieg und kompletten Materialtransport ist eine sehr gute Leistung der gesamten Mannschaft. Natürlich auch einen großen Dank all denen die diesen Übungstag vorbereitet haben.

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1 Antwort zu LAWINE – eine Übung unter strengen Covid-Auflagen!

  1. Sepp Gspan sagt:

    Vielen Dank für diesen super Bericht und nochmals ein herzliches Dankeschön an das Ausbildung-Santeam für die perfekte Vorbereitung und danke an alle Teilnehmer.

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